samos_09_02

In Athen, der Hauptstadt eines Landes, wo Männer noch “echte Kerle” sind, paradieren Elitesoldaten in Rock und Strumpfhosen ?
Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen… :-)

Pünktlich zur vollen Stunde sind wir am Grabmal des unbekannten Soldaten, mitten im chaotischen Verkehrsgetümmel der griechischem Hauptstadt, unterhalb des Parlamentsgebäudes am Syntagma-Platz gelegen. Oder doch nicht ganz so pünktlich, denn die beiden eben abgelösten Evzonen der Ehrenwache marschieren schon wieder ab.

Natürlich hat sich auch bereits eine Traube von anderen Touristen gebildet, die die komplizierte Choreografie der beiden neu angekommenen Gardisten beobachten, eindrucksvoll begleitet vom Knallen der Bommelschuhe mit ihren genagelten Sohlen .

Es ist Montag, die Evzonen tragen ihre Sommer-Alltags-Uniform: Khakifarbener, oberschenkellanger Uniformrock (Dolman) und weiße Strumpfhosen mit schwarzen Kordeln um die Waden. Dazu Bommelschuhe und eine rote Mütze (Fario) mit langer schwarzer Quaste.
Die traditionelle Gebirgsjäger-Uniform mit dem weißen, in 400 Falten (eine für jedes Jahr der türkischen Herrschaft in Griechenland) gelegten Rock  und der aufwändig bestickten Weste, ist den Sonn- und Feiertagen vorbehalten.

Immer wieder ist leichtes Kichern aus dem Kreis der internationalen Zuschauer bei dieser Wachablösung zu hören. Der Ernst und Stolz in den Gesichtern der beiden jungen Evzonen, verbunden mit der Vorstellung, wie anstrengend diese langsamen, oft schwunglosen Bewegungen sein müssen, lässt für mich allerdings jeden Gedanken an Lächerlichkeit absurd erscheinen.

Inzwischen sind beide Evzonen nach weiteren komplizierten Schrittfolgen vor ihren Schilderhäuschen angekommen, wo sie für die nächste Stunde regungslos verharren werden. Ein Kamerad im Tarnanzug ordnet noch eben die Uniformen der beiden und tritt dann wieder zurück. Sofort werden Kinder und leichtbekleidete Freundinnen für Erinnerungsfotos neben den Gardisten positioniert. Offensichtlich beherrschen die Evzonen fernöstliche Meditationstechniken oder sind einfach nur Kummer gewohnt.
Sie verziehen – wie vorgeschrieben – keine Miene…

Doch, natürlich haben wir uns bei unserem Kurzaufenthalt in der griechischen Hauptstadt auch einige antike Bauwerke angeschaut.
Immerhin liegt hier die Wiege unserer Kultur, sagt man…

Aber das lebendige Athen von heute findet man nicht in der antiken Agora und auch nicht in der Vorzeige-Altstadt, der Plaka.
Wer es wagt, die ausgetretenen Touristenpfade zu verlassen, findet unverfälschtes griechisches Alltagsleben in den kleinen Krämerläden des nicht ganz so vorzeigbaren Psirri-Viertels, auf der Hauptschlagader des einfachen Einzelhandels, der Odos Athinas oder eben im Zentralmarkt an der gleichen Straße.

Einen großen Teil des Gebäudes aus dem Jahre 1886 nimmt der Fischmarkt ein, in einer zweiten Halle werden dagegen Fleischstücke vom kleinen Schnitzel bis zu ganzen Lämmern, Hähnchen und Schweinehälften feilgeboten. In kleinen Lädchen ausserhalb der Hallen bekommt man Nüsse und Trockenfrüchte, während der Obst- und Gemüsemarkt seine Stände auf der anderen Seite der Odos Athinas aufgeschlagen hat.

Ein griechischer Markt ist bunt und laut. Man kann die Faszination der vielen Sinneseindrücke und die besondere Atmosphäre nur schwer beschreiben. Auch mein kleiner Videoclip vom Athener Fischmarkt kann nur einen bescheidenen Eindruck vermitteln, denn den Geruch “muß” ich euch leider vorenthalten. Aber ihr solltet dafür die Lautstärke voll aufdrehen…

Mai 2009

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